Newsletter Februar 2026

Liebe Freundinnen und Freunde der Buchhandlung Thaer, 

so gemütlich der Winter auch sein mag, die spiegelglatten Gehwege machen dieser Tage vielen zu schaffen und wir sind sehr froh, dass bisher alle unbeschadet den Weg zu uns in die Buchhandlung gefunden haben. Und sollte es Ihnen doch zu unsicher sein, melden Sie sich gern, wir fahren auch gern das ein oder andere Buch in der Nachbarschaft aus.

Angesichts dieser Widrigkeit hoffen wir auf einen milderen Februar und möchten unsere nächsten Veranstaltungen ankündigen: 

Am 9.2. finden Sie uns mit einem Büchertisch in der Vagantenbühne, wo Elias Hirschl mit seinem Roman „Schleifen“ Premiere feiert. In diesem geht es um die große Frage, was gesagt werden kann und was nicht: W

elchen Einfluss hat Sprache auf unser Leben? Wo stoßen wir an die Grenze dessen, was wir sagen können und an welchem Punkt beginnt die Fiktion? Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier

In der gleichen Woche, am 12.2., kommt die Journalistin und Autorin Andrea Böhm zu uns. Im Gespräch mit ihrer Lektorin Antje Röttgers stellt sie ihr neues Buch Fighting Like a Woman (rowohlt) vor: 

In diesem erzählt Andrea Böhm die vergessenen Geschichten jener Frauen, die sich gegen Unterdrückung und Geschlechtergrenzen physisch auflehnen. Ob im Ring, zu Hause oder auf dem Schlachtfeld: Frauen haben zu allen Zeiten das Dogma ihrer physischen Unterlegenheit gegenüber Männern infrage gestellt. Das männliche Gewaltmonopol: ein Mythos? 

Auf ihren Reisen begegnet sie mexikanischen Ringerinnen, die gegen die weibliche Opferrolle kämpfen; kurdischen Milizionärinnen, die im Krieg von einer feministischen Utopie träumen; kenianischen und deutschen Schülerinnen, die lernen, dass Wut ein befreiendes Gefühl ist − und Selbstverteidigung ihr gutes Recht. Und sie begegnet Männern, die diese Mädchen und Frauen dabei unterstützen. Sie alle sind überzeugt, dass ein selbstbewusstes Körperbewusstsein Voraussetzung für eine gleichberechtigte Gesellschaft ist. Ein unverzichtbares und persönliches Plädoyer für einen physischen Feminismus.

Wir beginnen um 19.30h, der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 5 Euro), um vorherige Anmeldung wird gebeten! 

Zuletzt folgen unsere Buchempfehlungen des Monats. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen und Stöbern, allen Familien schöne Winterferien und hoffen, Sie und Euch bald wieder bei uns begrüßen zu dürfen.

Herzliche Grüße

Mieke Woelky und Krystyna Swiatek 


Mieke Woelky empfiehlt Yael van der Woudens „In ihrem Haus“ 

Dieses Debüt der niederländischen Autorin Yael van der Wouden wurde im englischen Original hoch gelobt und mehrfach ausgezeichnet – und das vollkommen zu Recht. Es schafft so intensive, atmosphärisch stimmige Szenen, dass es sich beinahe filmisch liest. Wir befinden uns in den 1960er Jahren, der Zweite Weltkrieg ist noch nicht so lange vorbei und gesellschaftliche Normen bestimmen Lebensläufe und -entscheidungen gleichermaßen. 

So lebt auch die Protagonistin Isabel ein äußerst konformes Leben, kümmert sich um das große Haus der verstorbenen Eltern und versorgt ihre zu Besuch kommenden Brüder. 

Erst als einer dieser Brüder seine Freundin Eva bei ihr unterbringt, während er auf Reisen ist, beginnt Isabels Selbstkontrolle aufzubrechen. Zwischen den beiden Frauen entspinnt sich eine sehr sinnliche Beziehung, spannend erzählt und voller Sehnsucht und Begehren, das nicht sein darf und sie doch vollkommen in den Bann zieht.

Eine wunderschöne Lektüre voller Zwischentöne und genauer Beobachtungen, schwer aus der Hand zu legen und am Besten in einem Rutsch zu genießen. 

Yael van der Wouden, „In ihrem Haus“. Aus dem Englischen übersetzt von Stefanie Ochel. Gutkind-Verlag, 2025. 14 Euro.

Auch erhältlich im englischen Original unter dem Titel: „The Safekeep“. Penguin Books, 13,50 Euro. 

Krystyna Swiatek empfiehlt Abbas Khiders “Der letzte Sommer der Tauben”

Dieses Buch ist mein erstes Lese-Highlight des Jahres. Zugegeben, das Jahr ist noch jung, aber ich bin davon überzeugt, dass dieser Roman auch noch Ende 2026 in meiner persönlichen Bestenliste stehen wird.

Der 14-Jährige Noah ist Taubenzüchter. „Fauler Sack“, „Schneeweiß“, „Himmelblau“, „Regenbogen“, „Tänzer“ und „Goliath“ fliegen frei über der Stadt. Doch in diesem Sommer ändert sich alles. Islamisten haben die Macht übernommen und rufen das Kalifat aus: Noahs Mutter und seine schwangere Schwester dürfen das Haus nicht mehr alleine verlassen. Sein Vater, Inhaber eines Bekleidungsgeschäfts, muss Damenunterwäsche entsorgen und alle vermeintlich freizügigen Bilder auf Verpackungen schwärzen. Und dann geraten auch die Taubenzüchter der Stadt ins Visier der Religionspolizei. Ihnen wird aufrührerisches Verhalten vorgeworfen – die Taubenzucht wird verboten und den Tauben müssen die Flügel gestutzt werden.

Der Autor Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. Alles, was er in diesem Buch beschreibt, kennt er aus eigenen Erfahrungen. Als Jugendlicher wurde er aus politischen Gründen verhaftet und in einem Foltergefängnis inhaftiert. 1996 floh er aus dem Irak und lebt seit 2000 in Deutschland. 

Khider gelingt es, dass sich die für mich oft distanzierten Nachrichtenfloskeln mit echtem Leben füllen. Mit Menschen, die ich mag, die ich beschützen möchte. In kurzen, sehr eindringlichen Kapiteln zeigt er liebevoll und humorvoll Noahs Familienleben und seine Liebe zu den Tauben. Gleichzeitig führt er uns vor Augen, wie ein autoritäres Regime mit aller Härte und großer Geschwindigkeit in Noahs und das Leben seiner Familie und Freunde dringt.

Abbas Khider, “Der letzte Sommer der Tauben”, 2026, Carl Hanser Verlag, 24 Euro.