Liebe Freundinnen und Freunde der Buchhandlung Thaer,
wir wünschen Ihnen und Euch einen wunderschönen Wonnemonat Mai, in den ja (sogar in Berlin) einige Feiertage und lange Wochenenden fallen. Wir wünschen viel Freude beim Lesen und unterwegs in unserer schönen Stadt, die sich in dieser Jahreszeit ja immer von ihrer liebenswertesten Seite zeigt.
Es ist uns eine große Freude, Sie zu einer Lesung mit Pascale Hugues einzuladen, die am 27. Mai ihr neues Buch „So voller Leben„ bei uns vorstellen wird. In diesem folgt die Autorin den Spuren ihrer Mutter, die an einer bipolaren Störung litt und viel zu früh starb. Sie zeichnet das Bild einer Zeit, in der psychische Krankheiten ein Tabu sind, das man hinter schützenden Lügen verbirgt:
Yvette wird im elsässischen Colmar geboren, 1929, im Jahr der Großen Depression. Ihre Eltern wünschen sich einen Jungen und bekommen ein Mädchen. Sie ist Linkshänderin und wird gezwungen, mit rechts zu schreiben. Mal Französin, mal Deutsche, wechselt sie im kriegsgeschüttelten Elsass drei Mal die Nationalität, die Sprache und sogar den Vornamen. Später, als erwachsene Frau, schwankt sie zwischen dem Charme der Bourgeoisie und der Verlockung des Aufruhrs, zwischen Patriarchat und Feminismus. Yvettes Leben ist stets zwischen zwei Polen, ein Spiegel ihrer Krankheit. Bipolar.
Pascale Hugues erfuhr als Kind nicht, warum ihre fürsorgliche Mutter wochenlang verschwand. Die Erwachsenen sagten ihr nicht, dass sie in der Klinik war. Jetzt begibt sie sich auf die Suche und kommt ihrer Mutter schreibend wieder näher.
Die Lesung beginnt am 27.5. um 19.30h. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 7 Euro). Um eine vorherige Anmeldung (per Email, Telefon oder vor Ort) wird unbedingt gebeten, da unser Platzkontingent begrenzt ist.
Da einige von Ihnen gefragt haben, möchten wir die Gelegenheit nutzen, Sie außerdem über den neuesten Stand der Dinge bezüglich des Literaturhauses in der Fasanenstraße zu informieren. Wie viele von Ihnen wissen, haben wir bis 2024 die Buchhandlung Kohlhaas & Company geführt, die sich in der Villa des Literaturhauses befindet. Als die Villa sanierungsbedingt schließen musste, haben wir das Glück gehabt, die schöne Buchhandlung Thaer übernehmen zu dürfen und hierher „umzuziehen“. Da es uns hier in der Bundesallee sehr gut gefällt und wir uns mittlerweile in Friedenau ganz zuhause fühlen, werden wir die Buchhandlung auf jeden Fall weiterhin mit ebenso viel Freude wie bisher führen.
Gleichzeitig freuen wir uns, dass wir zusätzlich die Buchhandlung Kohlhaas & Company bald wieder eröffnen dürfen. Momentan sieht es so aus, als würden Café, Literaturhaus und Buchhandlung alle gemeinsam im Oktober wieder ihre Türen öffnen. Sobald ein genauer Termin feststeht, werden wir Sie zu unserer Wiedereröffnung einladen!
Unten folgen wie immer unsere Empfehlungen des Monats. Viel Freude beim Lesen!
Herzliche Grüße aus der Buchhandlung Thaer,
Mieke Woelky, Krystyna Swiatek und Klaus Palme
Mieke Woelky empfiehlt „Die Briefeschreiberin“ von Virginia Evans
Was für ein wundervolles Buch! Mit sehr viel Freude habe ich „Die Briefeschreiberin“ geradezu verschlungen. Denn dieser Roman, der ausschließlich aus Briefen besteht, zieht einen sofort in den Bann. Im Zentrum steht tatsächlich eine „Briefeschreiberin“: Seit ihrer Kindheit schreibt die 73jährige Sybil van Antwerp jeden Tag: Sie verfasst Briefe – an die beste Freundin, den in Frankreich lebenden Bruder, bekannte Autorinnen und Filmemacher, deren Werke sie erfreut, berührt oder verärgert haben. Stück für Stück – oder Brief für Brief – setzt sich so das Puzzle ihres Lebens zusammen: Sybils Geschichte als Juristin und Mutter, als adoptiertes Kind und geschiedene Frau.
Gleichzeitig wird zunehmend deutlich, dass es Ereignisse in ihrem Leben gab, für die ihr die Worte fehlen. Nun aber, mit über 70 Jahren, geschehen Dinge, die sowohl die schönsten als auch die schmerzhaftesten Erinnerungen wieder lebendig werden lassen. Mit ebenso viel Witz wie Gefühl lesen wir hier von einer eigenwilligen und allen Umständen zum Trotz eigenständigen Frau und ihrem eindrucksvollen Leben. Große Leseempfehlung!
Krystyna Swiatek empfiehlt „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner
Hannah Häffner ist etwas gelungen, das nur wenigen gelingt: Sie hat einen Debütroman geschrieben, der es ganz nach oben auf die Bestsellerlisten geschafft hat. Daher ist dieses Buch kein Geheimtipp mehr. Da ich über die Osterferien aber darin komplett versunken bin, möchte ich es dennoch empfehlen: „Die Riesinnen“
Konventionen, Ansehen und der Drang nach Zugehörigkeit bestimmen das Leben in Wittenmoos, einem Dorf im Schwarzwald. Wer aus der Reihe tanzt, hat es schwer. Schon rein äußerlich fallen Liese, ihre Tochter Cora und die Enkelin Eva auf. Zu groß sind sie, zu sperrig, ihre Träume scheinen zu verwegen, die Haare sind zu rot.
Bleiben oder gehen? Was macht Heimat mit mir? Ist es eine Niederlage, wenn ich nach Hause zurückkehre? Fragen, die die drei Frauen in diesem Buch ganz unterschiedlich beantworten und leben. Hannah Häffner führt uns durch diese drei Generationen und mehrere Jahrzehnte, sie bleibt dabei aber immer ganz nah an ihren Figuren. Für alle, die einfach Lust auf eine schön erzählte Geschichte haben.