Newsletter Juli 2025

Liebe Freundinnen und Freunde der Buchhandlung Thaer,

vor genau einem Jahr (und ein paar Tagen) haben wir nach einer kurzen Renovierungsphase die schöne Buchhandlung Thaer wiedereröffnen dürfen. Zuvor haben wir die Buchhandlung Kohlhaas & Company im Literaturhaus Berlin betrieben. Da das Literaturhaus für eine umfangreiche Sanierung geschlossen werden musste, waren wir auf der Suche nach einem neuen Zuhause für unsere schönen Bücher. Als wir hörten, dass Elvira und Walter Hanemann nach über 20 Jahren eine Nachfolge suchten, haben sich die Dinge wunderbar gefügt – und wir durften ihre Buchhandlung übernehmen. Wir sind ihnen immer noch sehr verbunden und freuen uns jedes Mal, wenn Sie bei unseren Lesungen oder im Laden vorbeischauen. 

Mittlerweile fühlen wir uns auch schon fast als Friedenauer und sind sehr glücklich, die traditionsreiche Geschichte des Thaer fortsetzen zu dürfen. Schon jetzt blicken wir zurück auf zwölf Monate voller schöner Begegnungen. In einer Zeit, in der das Weltgeschehen einen oft verunsichert, haben wir hier in Friedenau jeden Tag aufs Neue gespürt, wie wohltuend das Miteinander, das Lesen – und die Nachbarschaft – sein können.

Unsere größte Stütze in diesem ersten Jahr? Sie! Die vielen treuen Kund*innen, die uns so herzlich empfangen, uns weiterempfohlen und uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Ihre Offenheit und Ihr Interesse sind das, was diese Buchhandlung lebendig macht. Dafür möchten wir von Herzen Danke sagen.

Mit Zuversicht und vielen Ideen blicken wir auf die kommenden Jahre – in denen das „Thaer“ weiterhin ein Ort für gute Bücher, Gespräche und Begegnungen bleiben soll. Für den September planen wir zum Beispiel ein kleines Fest, um das 80-jährige Jubiläum der Buchhandlung zu feiern. Sie war die erste Buchhandlung, die nach dem 2. Weltkrieg in Berlin neu eröffnet wurde. Laut unserer Informationen betrieben die Inhaberinnen Anneliese Thaer und Hertha Zelmanovic in i

hrer Wohnung über der Buchhandlung zusätzlich noch einen literarischen Salon. So weit sind wir zwar noch nicht, aber unser monatlich stattfindender Lesekreis macht uns auch viel Freude – und ist ja schon mal ein Anfang :). 

Im September geht es dann auch weiter mit unserem Veranstaltungsprogramm. Wir haben schon einige spannende Lesungen geplant, über die wir rechtzeitig informieren werden. Wir können aber schon verraten, dass die Autorinnen Kristina Hauff und Verena Güntner bei uns zu Gast sein werden. 

Wir wünschen Ihnen und Euch wundervolle Sommerferien, ob auf dem Balkon, in den Bergen oder am Meer – hoffentlich immer mit einem guten Buch! 

Zuletzt folgen unsere Empfehlungen für den Juli. Wir haben in diesem Monat zwei Taschenbücher ausgewählt, die in jede Urlaubstasche passen 

Herzliche Grüße

Mieke Woelky, Krystyna Swiatek und Klaus Palme 


Krystyna Swiatek empfiehlt: Elena Fischer mit „Paradise Garden“

Als Billie gerade einmal 14 Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter – „Vierzehn ist ein beschissenes Alter, um seine Mutter zu verlieren“. Ihre Großmutter will sie mit sich nach Ungarn nehmen. Doch Billie will nicht. Sie mochte das Leben mit ihrer Mutter, auch wenn sie nicht viel hatten. Die Mutter verdiente wenig Geld durch Putzen und Kellnern. Der Alltag war durch Entbehrungen und pragmatische Sparsamkeit geprägt. So reichte das Geld am Ende des Monats meist nur noch für Nudeln mit Ketchup. Doch Mutter Marika bereitete mit viel Fantasie und Einfallsreichtum ihrer Tochter eine glückliche Kindheit voller Liebe und Zuneigung. Statt also mit ihrer Großmutter nach Ungarn zu gehen, will sie herausfinden, wer ihr Vater ist. Also fährt sie los, allein in einem alten Nissan.

Elena Fischer hat eine wunderbare Mutter-Tochter-Geschichte geschrieben, in der drei beeindruckende und eigensinnige Frauen im Mittelpunkt stehen. Und am Ende kommt ein Roadtrip, der an „Tschick“ erinnert, nur etwas einsamer und mit einem hoffnungsvolleren Ende.

Elena Fischer; „Paradise Garden“, Diogenes, 14 Euro, 2025.

Mieke Woelky empfiehlt: Iris Wolff „Lichtungen“ 

Kaum ein anderes Buch habe ich so oft empfohlen wie „Die Unschärfe der Welt“ von Iris Wolff, das 2020 erschienen ist. Es hat alles, was ein richtig gutes Buch haben muss: Leichtigkeit und Tiefe. Traurigkeit und großes Glück. Sätze, die man unterstreichen möchte. Bilder, die man nicht vergisst. Einblicke, die einen Geschichte verstehen lassen, ohne zu belehren. Schlicht, ein großes kleines Buch. 

Nun ist es ja nie leicht, den Nachfolger eines solchen Lieblingsbuchs ohne allzu große Erwartungen aufzuschlagen. Mit „Lichtungen“ ist Iris Wolff 2024 jedoch wieder ein Kunststück gelungen. Rückwärts erzählt entblättert sich hier die Geschichte einer Freundschaft und einer Liebe, deren Spannung sich aus Gegensätzlichkeiten speist: der Spannung zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen dem Losziehen und dem Daheimbleiben, auch zwischen dem Eingeschlossensein in ein (politisches) System und den ersten Schritten in die Freiheit dahinter. Kapitel für Kapitel kehren wir so aus der Schweiz zurück nach Rumänien, nach Siebenbürgen und ins Banat, in die 1980er Jahre und bewegen uns auf den Ursprung der Geschichte und ihrer Figuren zu, auf erste Verluste und prägende Verbindungen. 

„Lichtungen“ möchte man gleich zweimal lesen, um beim zweiten Mal alle Nuance der feinen Webung aufzuspüren und vielleicht sogar zu verstehen, was die vielen Tiere in dem Buch zu bedeuten haben. Es gibt da zum Beispiel das Bild zweier lautlos auf einer Waldlichtung kämpfender Wölfe, ebenso grandios wie unerklärlich.

Nun ist das Buch im Taschenbuch erschienen und ich empfehle es ganz unbedingt als Urlaubslektüre, ganz gleich, in welche Himmelsrichtung Sie sich bewegen. 

Iris Wolff, „Lichtungen“, Klett-Cotta, 13 Euro, 2025