Newsletter März 2025

Liebe Freundinnen und Freunde der Buchhandlung Thaer,

der Frühling ist zum Greifen nah und mit ihm trudeln auch wieder viele tolle neue Bücher und einige spannende Veranstaltungstipps bei uns ein. 
Am 25.3. wird der Autor Matthias Kreienbrink aus seinem gerade erschienen Buch „Scham – Ein neuer Blick auf ein starkes Gefühl lesen und mit dem Theaterschaupieler Emre Aksizoglu (Gorki Theater) darüber sprechen, wie es zu dem Buch kam und wie er ein Gefühl, dass jede*r von uns, kennt, neu fasst. Denn in seinem Buch zeigt Matthias Kreienbrink, wie Scham entsteht und in welchen Bereichen sie besonders häufig auftritt. Er durchdringt dieses unbehagliche, heftige Gefühl so einfühlsam wie analytisch und enthüllt dabei die politischen, wirtschaftlichen, psychologischen sowie soziologischen Dimensionen unserer Verlegenheit. 

Wir beginnen am 25.3. um 19.30h, um Anmeldung wird gebeten. 

Auch in diesem Monat werden wir für zwei Lesungen des Literaturhauses wieder Büchertische organisieren. Am 14.3. wird Helene Hegemann in der Volksbühne aus ihrem neuen Roman „Striker“ lesen und am 21.3. wird Robert Saviano im Kreuzberger Kühlhaus sein Buch „Treue. Liebe, Begehren und Verrat – die Frauen in der Mafia“ vorstellen. Wir sind sehr gespannt und werden, wie gewohnt, wieder signierte Exemplare für unsere Buchhandlung mitbringen. 

Außerdem möchten wir sie darüber informieren, dass unser Haus in den kommenden Wochen eingerüstet wird und die Buchhandlung wohl etwas weniger sichtbar, aber wie gewohnt geöffnet sein wird. Also, bleiben Sie uns treu und kommen Sie uns weiter besuchen, wir freuen uns!

Zuletzt ein kleiner schöner Ausblick: Diesen Sommer feiern wir nicht nur den ersten Geburtstag der Buchhandlung unter neuer Inhaberinnenschaft, sondern auch ihr 80jähriges Bestehen. Beides möchten wir mit einem kleinen Fest Anfang Juli feiern und werden Genaueres bald bekanntgeben.

Unsere monatlichen Leseempfehlungen finden Sie im Folgenden. Ihnen einen sonnigen März und bis bald in der Buchhandlung Thaer.

Herzliche Grüße

Krystyna Swiatek, Mieke Woelky und Klaus Palme 


Krystyna Swiatek empfiehlt Takis Würger: „Für Polina“

Nach „Der Club“ und “ Stella“ hat Takis Würger nun einen Liebesroman geschrieben. Schon nach wenigen Minuten war ich komplett in der Geschichte um die junge Frau Fritzi Prager, die auf einer Italienreise ungewollt schwanger wird und nach der Geburt ihres Sohnes Hannes im Krankenhaus ihre beste Freundin Güneş kennenlernt. Sie hat Polina zur Welt gebracht und ist ebenfalls alleinerziehend. Von da an stehen Hannes und Polina im Mittelpunkt. Sie wachsen zusammen idyllisch in einen zerfallenen Schloss im Bissendorfer Moor in Niedersachsen auf. Als der vereinsamte Vermieter feststellt, dass Hannes ein absolutes Gehör hat, bringt er ihm das Klavierspielen bei. Und natürlich kann es nicht so idyllisch weitergehen und es passieren ein paar Dinge, die Hannes Leben ins Schwanken bringen: Polina muss mit ihrer Mutter in die Turkei ziehen. Und nach einem traumatisierenden Ereignis setzt sich Hannes nicht mehr ans Klavier. Jahrelang schleppt der kontaktscheue Hannes stattdessen als Mitarbeiter eines Transportunternehmens Flügel und Klaviere von einer schicken Hamburger Altbauwohnung in die nächste und gibt sich als vollkommen unmusikalisch aus. Für mich ist Roman nicht nur ein Liebesroman, sondern vor allem auch ein Buch über Wahlfamilie. 

Und ja, der Verlauf und das Ende sind größtenteils absehbar. Aber begeistert und freudig an der Stange gehalten, haben mich vor allem die liebevoll kreierten Nebenfiguren über die ich am liebsten noch mehr gelesen hätte. Und außerdem tut ein vorhersehbarer Roman in diesen undurchsichtigen und unvorhersehbaren Zeiten auch einfach mal gut.

Takis Würger: „Für Polina“. Diogenes Verlag. 26€

Mieke Woelky empfiehlt Sally Rooney: „Intermezzo“

 Mit ihren ersten Romanen ist die junge irische Autorin Sally Rooney ein global gefeierter Star der Literaturwelt geworden. Auf ihr neues Buch „Internezzo“ haben viele schon seit Langem gewartet – und wurden nicht enttäuscht. In gewohnter Manier zieht Rooney ihre Leser*innen mit melancholischen, oft magnetisch wirkenden Figuren in den Bann. Während diese sich an ihrer Umwelt reiben und nie ganz mit ihr in Einklang scheinen, suchen sie doch unabdingbar eine Verbindung zu Anderen. Im Gegensatz zu den vorherigen Liebesgeschichten begegnen wir hier zwei sehr ungleichen Brüdern, deren Vater kürzlich verstorben ist. Da ist Peter, ein junger Anwalt in Dublin, der sich mehr und mehr in den eigenen Abhängigkeiten verliert. Und sein 10 Jahre jüngerer Bruder Ivan, ein introvertiertes Schachgenie, der eine für ihn gänzlich untypische Liebesbeziehung zu einer älteren Frau eingeht. Obwohl sich die Brüder in ihrer Gegensätzlichkeit oft fremd sind und provozieren, scheinen sie sich durch den Spiegel des Anderen auch erst richtig sehen zu können. Auch wenn sie sich nie ganz nah kommen, verbindet sie der Verlust des Vaters in ihrer Trauer, der sie sich letzten Endes stellen müssen, um ihr Leben wieder aufzunehmen.  

Sally Rooney. „Intermezzo“. Erhältlich im englischen Original oder in der deutschen Übersetzung von Zoë Beck. Claassen Verlag. 24€