Newsletter September 2026

Liebe Freundinnen und Freunde der Buchhandlung Thaer,

dieser Tage fällt es schwer, einen unverfänglich fröhlichen Rundbrief heraus zu schicken. Gerade gestern, am Morgen nach dem desaströsen Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt, haben wir deutlich gespürt, wie gedrückt die Stimmung bei uns und Ihnen war – und wie gut ein kurzer Austausch dazu dann doch tut. Wir bleiben nicht in der Schockstarre, sondern gehen hinaus in unsere schöne, bunte, vielfältige Stadt, reden miteinander, demonstrieren, wehren uns. 

Wir zeigen Haltung – so wie Matthias Brandt in seinem kürzlich erschienenen Buch „Nein Sagen„. Wir haben dieses Buch, einen kurzen Essay eigentlich, in einem Rutsch gelesen, nachdem es uns viele von Ihnen wärmstens ans Herz gelegt hatten. Und es stimmt: In seiner Klarheit und Klugheit ist es ein Buch, das wir alle heute lesen sollten. Und das nicht nur, weil es hoffnungsvoll bleibt, weil es den Glauben an ein demokratisches Miteinander und eine sozialverträgliche Politik jenseits von Parteilinien nicht aufgibt. Sondern genau dorthin schaut, wo sie möglich war und sein kann. Und überlegt, was wir konkret heute tun können. Matthias Brandt schreibt über seinen Vater Willi Brandt und seine Mutter Ruth Hansen, er schreibt über Verfolgung und Vernichtung, aber auch über friedliche Formen des demokratischen Widerstands – gestern und heute. Wir danken Ihnen für die wunderbare Empfehlung und möchten es direkt jedem und jeder weiterempfehlen! 

Des Weiteren möchten wir Sie ganz herzlich zur Wiedereröffnung unserer Buchhandlung Kohlhaas & Company im Berliner Literaturhaus einladen. Wir freuen uns sehr, dass es in der Fasanenstraße nach einer zweijährigen Renovierungspause wieder losgeht. In den nächsten Wochen werden wir mit den Vorbereitungen beschäftigt sein und hoffen, dass alles rechtzeitig fertig wird. Am 3. Oktober möchten wir dann von 14-20h eine kleine Eröffnungsfeier veranstalten. Wir freuen uns über alle, die zum Schauen, Stöbern und gemeinsamen Anstoßen vorbeikommen!

Es wird Bubbles, Ballons und viele gute Bücher, aber kein großes Programm geben. Wer jedoch Lust auf tolle Literatur und Autor*innen hat, kann direkt hoch ins Literaturhaus wandern, wo vom 1.-3. Oktober ein Eröffnungsfestival stattfindet. Weitere Informationen zu den einzelnen Lesungen und Tickets finden Sie hier

Bevor, wie gewohnt, unsere Leseempfehlungen des Monats folgen, verlosen wir noch zwei Karten für den auf Juli Zehs Bestseller basierenden Kinofilm „Corpus Delicti“. Wie immer gilt: Die Karten bekommt, wer sich zuerst bei uns meldet, also schreiben Sie uns gern ganz schnell eine kurze Nachricht! 

Herzliche Grüße aus der Buchhandlung Thaer und Ihnen allen schöne Spätsommertage,

Mieke Woelky und Krystyna Swiatek 


Mieke Woelky empfiehlt „Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer 

Nach „Paradise Garden“ ist „Wirf einen Schatten“ der zweite Roman von Elena Fischer. Er erzählt die Geschichte des Landwirts Joseph, der allein auf seinem Bauernhof lebt, nachdem seine Frau den gemeinsamen Sohn eingepackt und in die Stadt gezogen ist. Wir befinden uns in den 1960er Jahren, Josephs Alltag ist geprägt von schwerer Arbeit und doch fühlt er ich sehr verbunden mit dem Hof und der Natur, die ihn umgibt. 

Gleichzeitig ist sein Leben so einsam und er selbst so haltlos, dass er überlegt, sich das Leben zu nehmen. Diese Tristesse bricht auf, als ein junges Mädchen, Birdie, an seine Tür klopft, um bei ihm Zuflucht zu suchen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche, für Joseph herausfordernde Freundschaft, die ihn zwingt, sich mit den schmerzlichsten Momenten seiner eigenen Kindheit und Jugend zu beschäftigen. So führt die Erschütterung der Ordnung seines Lebens dazu, dass er einen Weg findet, aus dem Korsett seiner Verschlossenheit und seiner festen Vorstellungen auszubrechen.

Für mich hat dieses Buch einen wunderbaren Klang. Es ist ein klassisch erzählter Roman mit behutsam entwickelten Figuren, denen man ganz nah kommt und die uns gleichzeitig zeigen, wie sehr unsere Gefühle und deren Ausdruck gesellschaftlich und historisch geprägt sind. 

Elena Fischer, „Wirf einen Schatten“. Diogenes 2026, 25 Euro. 

Krystyna Swiatek empfiehlt „Magisch“ von Annika Büsing

Marie ist zurück. Zurück in ihrem Heimatort am Rande des Ruhrgebiets. Und das mit Mitte 30. Und das als Inhaberin einer Hundetagesstätte. So hatte sie sich ihr Leben eigentlich nicht vorgestellt. Zurück ist aber auch Paul Magisch, ihre alte Liebe, die sie damals für einen seriöseren Typen verlassen hat. Ist das der Neubeginn einer alten Liebe? Und da ist noch Maries Bruder Andi. Er ist ein überzeugter Rechter und hat nie seinen Heimatort verlassen. Marie will eigentlich nichts mit ihm zu tun haben, kommt aber plötzlich in die Situation, für ihn da sein zu müssen.

Anika Büsing erzählt diese Geschichte von Marie und „Magisch“ ohne Klischees und mit fantastischen Dialogen. Sie hat Charaktere geschaffen, die einen nicht mehr los lassen. Ihr Stil ist ganz besonders: sehr direkt, ehrlich und unterhaltsam. Kurzum: Es macht einfach Spaß „Magisch“ zu lesen.

Annika Büsing: „Magisch“, S. Fischer, 2026, 24 Euro.