Liebe Freundinnen und Freunde der Buchhandlung Thaer,
wir wünschen Ihnen und euch ein frohes und gesundes neues Jahr und hoffen, Sie hatten schöne Feiertage und ein wenig Besinnlichkeit „zwischen den Jahren “ – dieser besonderen Zwischenzeit, in der man manchmal die Wochentage durcheinanderbringt, weil die Zeit anders zu verlaufen scheint.
Nun hat der Alltag uns wieder und in der Buchhandlung sind die Tannenzweige verschwunden und der Weihnachtsschmuck wieder gut verwahrt. Dennoch möchten wir noch einmal DANKE sagen für die vielen Bestellungen und Besuche im trubeligen Weihnachtsgeschäft, das unsere Erwartungen in diesem Jahr sogar übertroffen hat. Wir freuen uns auf ein literarisch und nachbarschaftlich tolles 2026!
Dieses beginnt in der Buchhandlung mit einer ersten Lesung am 15. Januar. Der Journalist und Autor Dirk Gieselmann wird uns besuchen, um aus seinem neuen, hoch gelobten Roman „Zeit ihres Lebens“ zu lesen und mit uns über Literatur und die Liebe zu sprechen. Ewald Arenz sagt über diesen Roman: „Die traurig-schöne und wunderbare Geschichte einer möglichen Liebe. Erzählt in einer so poetisch reichen Sprache – dieser Roman ist Musik, ein langsamer, großartiger Blues“.
Umso passender erscheint es, dass die Lesung musikalisch begleitet wird. Wir freuen uns auf einen ganz besonderen Abend und bitten um eine vorherige Anmeldung, da der Platz wie immer begrenzt ist – per E-Mail an mail@thaer.de, Telefon oder persönlich in der Buchhandlung. Wir beginnen um 19.30h, der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 5 Euro.
Zum Schluss folgen, wie gehabt, unsere Empfehlungen für den klirrend kalten Januar. Machen Sie es sich im Warmen gemütlich oder kommen Sie uns besuchen, wir haben sicher noch ein neues Lieblingsbuch für Sie da.
Herzliche Grüße,
Mieke Woelky und Krystyna Swiatek
Krystyna Swiatek empfiehlt „Issa“ von Mirrianne Mahn
Zu schwarz in Deutschland, zu weiß in Kamerun. Aber alle scheinen zu wissen, was für die schwangere Issa am besten ist: Ihr Freund will sofort heiraten. Ihre Mutter fürchtet um das Leben des ungeborenen Kindes und drängt Issa in Kamerun, ein traditionelles Ritual zu durchlaufen. Und nun ist Issa, die eigentlich in Frankfurt lebt, bei ihren Omas in Kamerum. Dort hat sie die ersten Jahre ihres Lebens verbracht, bis ihre Mutter entschied, dass sie ein besseres Leben verdient hätte und mit dem Entwicklungshelfer Jürgen nach Deutschland ging. Der Besuch wird für Issa zu einer Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familiengeschichte.
Die in Buea/Kamerun geborene Autorin Mirrianne Mahn wuchs in einem kleinen Dorf im Hunsrück auf. Sie ist Aktivistin und Theatermacherin. In ihrem Debütroman verbindet sie kraft- und liebevoll fünf Frauenschicksale, die zwar mehr als ein Jahrhundert auseinander liegen, aber nicht nur durch Traumata, sondern vor allem auch durch unbedingten Lebenswillen und dem Streben nach Selbstbestimmung, verbunden sind.
Mirrianne Mahn, „Issa“. rowohlt Taschenbuch, 2025. 14 Euro.
Mieke Woelky empfiehlt „Botanik des Wahnsinns“ von Leon Engler
Dieses großartige Debüt weiß, wovon es spricht. Sein Autor Leon Engler spürt der eigenen Familiengeschichte nach: Diese ist gekennzeichnet von Krankheit und Wahnsinn – der Großvater war bipolar, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Für viele Familienmitglieder waren Aufenthalte in der Psychiatrie kein Ausnahmezustand. Und auch der Erzähler landet schließlich dort, jedoch nicht als Patient, sondern als Psychologe. Sein Interesse an diesem Gebiet ist eng verknüpft mit der Angst, selbst eigentlich auf die andere Seite zu gehören – zu denen, die nicht hineinpassen in die streng geordnete Welt. Und so lernt er erst stück für Stück, durch den Umgang mit seinen Patient*innen, diese vermeintliche Schwäche als Stärke für sich anzunehmen.
Und genau darin liegt auch die Stärke dieses Buchs: Es ist empathisch und feinfühlig, dabei witzig und voller Wissen. Es verhandelt Fragen von Klasse und Zugehörigkeit, ohne sie festzuschreiben – eher als Versuchsanordnung, die man von der ersten Seite an gespannt verfolgt.